Leseprobe

Sie führten die Pferde am Halfter auf einem abfallenden, schmalen Pfad zwischen den vielen Felsbrocken hindurch zum Bach und dann an seinem Ufer entlang, bis sie zu einem mehrere Meter hohen Wasserfall gelangten. Darunter hatte das Wasser ein Becken mit einem kleinen See ausgespült. Vorsichtig lenkte Maya, gefolgt von ihrem Gefährten, ihr Pferd durch den steilen, felsigen Einstieg bis zum See hinunter. Angesichts der ausgewaschenen blanken Felswände und der sich auf beiden Seiten stapelnden schwarzgrünen und rötlichen Felsbrocken konnte sich Bruno gut vorstellen, dass, wenn ein kräftiges Gewitter das Tal heimsuchte, grosse Wassermassen mit Getöse durch die Schlucht drängten.
Maya und Bruno wanden die Zügel um die Sattelhälse, weil die Pferde sich nun niederbeugten und ausgiebig zu trinken begannen. Die Sonne stand noch hoch genug am Himmel, sodass ihre Strahlen bis auf diese Seite der Schlucht gelangten. Maya befreite einen Fuss von Stiefel und Socke, streckte ihn ins Wasser, nickte zustimmend und zog auch den anderen Stiefel aus, dann folgten Socke, Bluse und Hose samt Unterwäsche, bis sie völlig nackt mit einem «Brrrr» ins Wasser stieg und nach einigen Metern vorsichtigen Abtastens mit kräftigen Crawlzügen den kleinen See durchpflügte. Bruno hatte ihrem schnellen Strip verwundert zugeschaut, noch unschlüssig, ob er es ihr gleichtun sollte. Maya stand mitten im klaren Wasser, das ihr bis zu den Brüsten reichte und rief ihm lachend zu: «Was ist, kommst du auch? Es ist überhaupt nicht kalt, wenn du mal drin bist!», um gleich wieder mit einigen Zügen bis zum gegenüberliegenden Ufer zu schwimmen. Bruno zögerte noch kurz, verscheuchte alle Gedanken, welche Mayas nackter Körper, ihre vollen Brüste mit den hervorstehenden dunkelbraunen Nippeln mit plötzlicher Wucht in ihm ausgelöst hatten und machte er es ihr nach, entkleidete sich, sprang ins Wasser und begann zu schwimmen, sobald er fühlte, wie der Boden brüsk wegfiel. Das Wasser war kühl, eigentlich viel zu kühl für seinen Geschmack, und wäre er alleine gewesen, hätte er ganz sicher auf das Bad verzichtet. Doch war die ganze Umgebung, die mit grünem Moos überwachsenen Felsen, die kleine Schlucht mit dem klaren Wasser, bloss Kulisse für die alles beherrschende Sinnlichkeit, welche Maya ausstrahlte. Sie liess Bruno die Kälte vergessen und nahm allmählich sein ganzes Wesen gefangen.